Februar 2012
„Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15)
Fasten
Fasten ist ungeheuer populär: Wohin man schaut: Diätempfehlungen, Pillen gegen den Hunger, weniger fettes Fett statt fettem Fett. Fasten als Gewichtsreduktion verspricht, wieder jung und voller Tatendrang zu werden. Schlank zu sein ist ein ganz großes Ziel eines merkwürdigen Jugendlichkeitskultes.
Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Diätfasten kann sinnvoll, gesund und nützlich sein. Aber es darf nicht mit dem Fasten in der Fastenzeit verwechselt werden. Ein Christ fastet nicht, weil er äußerlich schön werden will, sondern wegen seiner seelischen Reinheit. Er will nicht primär an Gewicht abnehmen – auch wenn das ein nützlicher Nebeneffekt sein kann -, sondern er will recht verstanden an Frömmigkeit zunehmen.
Trotzdem haben Diät – Fasten und religiös motiviertes Fasten etwas miteinander zu tun. Wirkliche Seelsorge ist nie einseitig: Sie will Heil und Heilung, geistliche Heilung und – wenn möglich – auch körperliche Heilung. Seelsorge hat den ganzen Menschen im Blick und der Mensch besteht aus Leib und Seele. Bloßes Diätfasten hat nur den Körper im Blick und vergisst die geistliche Dimension. Keine Frage, die Fastenzeit versinnbildlicht etwas, das uns schwer fällt: Wer ist schon zur Demut bereit, zur Einsicht in die eigenen Schwächen? Wer gesteht Schuld gern ein? Und wer hat die Kraft dazu, die Fehler zu korrigieren und neu anzufangen? Dass Mut dazu gehört, sich klein zu machen, signalisiert schon der Begriff „Demut“ – Mut zum dienen.
Erzwungenes Fasten bringt nichts. Wer jedoch bewusst fastet, wird es erleben: Ballast geht über Bord, der Blick wird wieder frei, sich von falschen Orientierungen zu lösen und auf neue Ziele auszurichten wird möglich. Durch Diätfasten verliert man Gewicht und gewinnt neue Bewegungsfreiheit. Wer sich auf einen geistlichen Fastenweg macht, der wird sensibel, der schärft seine Sinne. Fasten ist ein geistlicher Entschlackungsprozess, der frei macht und hilft, sich neu auf Gott zu konzentrieren. Nur hier ist Verzicht zugleich Gewinn.
Damit der geistliche Weg durch die Fastenzeit gelingen kann, rüstet uns die Kirche aus und gibt uns sozusagen die Betriebsanleitung an die Hand: fasten, beten und gute Werke tun.
Pfarrer Bert Gruber